Normen

EN ISO 13855: Sicherheits­abstand für Lichtgitter und Schutz­einrichtungen

Die EN ISO 13855 bestimmt, wie weit Lichtgitter, Laserscanner und andere annäherungsabhängige Schutzeinrichtungen vom Gefährdungsbereich entfernt sein müssen. Seit September 2026 sind die Ausgaben 2010 und 2024 nebeneinander harmonisiert; die neue Ausgabe rechnet in mehreren Punkten anders.

FachinformationQuellen nachvollziehbarStand: 25.10.2026

Was die EN ISO 13855 regelt

Die EN ISO 13855 trägt den Titel „Sicherheit von Maschinen – Anordnung von Schutzeinrichtungen im Hinblick auf Annäherung des menschlichen Körpers“. In Deutschland erscheint sie als DIN EN ISO 13855. Sie legt fest, wie weit Schutzeinrichtungen, die eine gefährliche Bewegung erst bei Annäherung stillsetzen, vom Gefährdungsbereich entfernt sein müssen. Typische Beispiele sind Lichtgitter, Lichtschranken, Laserscanner, Schaltmatten und Zweihandschaltungen.

Der Gedanke ist einfach: Bis die Maschine nach dem Auslösen steht, darf die Person den Gefährdungsbereich nicht erreichen. Gesetzlicher Hintergrund ist, dass Schutzeinrichtungen ausreichend Abstand zum Gefahrenbereich haben müssen (Anhang I Nr. 1.4.1 der Maschinenrichtlinie, Anhang III Nr. 1.4.1 der Maschinenverordnung) und dass Personen bewegliche Teile hinter nichttrennenden Schutzeinrichtungen nicht erreichen können dürfen, solange diese Teile in Bewegung sind (Nr. 1.4.3).

Die Berechnung nach der Ausgabe 2010

Die Grundformel lautet S = K × T + C:

  • S: Mindestabstand zwischen Schutzfeld und Gefährdungsbereich in mm
  • K: Annäherungsgeschwindigkeit, 2 000 mm/s für Hand und Arm, 1 600 mm/s für den Körper
  • T: Gesamtnachlaufzeit, also Ansprechzeit der Schutzeinrichtung plus Nachlaufzeit der Maschine bis zum Stillstand
  • C: Zuschlag für das Hineinreichen in das Schutzfeld, abhängig von der Auflösung d; bis 40 mm Auflösung 8 × (d − 14) mm, bei größerer Auflösung bis 70 mm pauschal 850 mm

Man rechnet zunächst mit 2 000 mm/s; der Mindestabstand beträgt 100 mm. Ergibt sich mehr als 500 mm, darf mit 1 600 mm/s neu gerechnet werden, das Ergebnis darf dann aber nicht unter 500 mm liegen. Die Nachlaufzeit der Maschine wird in der Praxis gemessen und sollte wiederkehrend geprüft werden, weil sie sich etwa durch Verschleiß an Bremsen verlängern kann.

Was die Ausgabe 2024 ändert

Die Ausgabe 2024 überarbeitet Berechnungsgrundlagen, Formeln und Abbildungen und ergänzt einen Anhang mit den verwendeten physikalischen Größen. Nach einer Auswertung des Sensorherstellers Leuze sind die wichtigsten Punkte:

  • Die Grundformel wird zu S = K × T + DDS + Z: Der Zuschlag C heißt jetzt DDS und ist der größte Wert aus Hinüberreichen, Hindurchreichen und Untergreifen; Z steht für zusätzliche Entfernungsfaktoren.
  • Für Auflösungen über 40 mm bis 55 mm gibt es eine eigene Formel statt pauschal 850 mm.
  • Das Untergreifen des Schutzfelds wird neu berücksichtigt; für den Strahlabstand und die Höhe des untersten Strahls gibt es klare Grenzen.
  • Bei paralleler Annäherung gilt ein fester Zuschlag von 1 200 mm.

Wer Bestandsmaschinen umbaut oder neue Anlagen plant, sollte deshalb prüfen, welche Ausgabe er anwendet, und die Berechnung entsprechend dokumentieren.

Welche Ausgabe gilt?

Zur Maschinenrichtlinie sind EN ISO 13855:2010 und EN ISO 13855:2024 nebeneinander harmonisiert. Die Ausgabe 2024 kam mit dem Durchführungsbeschluss (EU) 2026/2015 vom 04.09.2026 in die Liste (Amtsblatt vom 07.09.2026); für die Ausgabe 2010 ist kein Enddatum festgelegt.

In Deutschland ist zunächst DIN EN ISO 13855:2025-10 erschienen und dann durch die berichtigte Fassung DIN EN ISO 13855:2026-08 ersetzt worden; sie ersetzt die Ausgabe 2010-10.

In der Konformitätserklärung steht die Ausgabe, die tatsächlich angewandt wurde, mit Jahreszahl. Ob eine Norm für eine bestimmte Maschine gelistet ist und mit welchen Einschränkungen, zeigt die Normensuche.

Die Liste der harmonisierten Normen zur Maschinenrichtlinie (Durchführungsbeschluss (EU) 2023/1586) wird mit Wirkung vom 20.01.2027 aufgehoben. Ab dann gilt die Vermutungswirkung nur für Normen, deren Fundstellen zur Maschinenverordnung im Amtsblatt veröffentlicht sind (Art. 20 Abs. 1 der Verordnung (EU) 2023/1230). Die Kommission hat die europäischen Normungsorganisationen dazu beauftragt (Art. 20 Abs. 2). Bis zum Stand dieser Seite sind uns keine veröffentlichten Fundstellen zur Maschinenverordnung bekannt. Wer Maschinen ab 2027 in Verkehr bringt, sollte die Veröffentlichung verfolgen; mehr dazu unter harmonisierte Normen.

Häufige Fragen

Wie berechnet man den Sicherheitsabstand eines Lichtgitters?

Nach EN ISO 13855:2010 mit der Grundformel S = K × T + C: Annäherungsgeschwindigkeit K mal Gesamtnachlaufzeit T plus Zuschlag C, der von der Auflösung des Lichtgitters abhängt. Die Ausgabe 2024 ersetzt den Zuschlag C durch einen genauer bestimmten Wert und ergänzt weitere Faktoren.

Welche Annäherungsgeschwindigkeit gilt?

Für die Annäherung mit Hand und Arm 2 000 mm/s, für die Annäherung des Körpers 1 600 mm/s. Nach der Ausgabe 2010 rechnet man zunächst mit 2 000 mm/s; ergibt sich mehr als 500 mm, darf mit 1 600 mm/s gerechnet werden, mindestens aber mit 500 mm Abstand.

Welche Ausgabe gilt?

Zur Maschinenrichtlinie sind EN ISO 13855:2010 und seit 07.09.2026 auch EN ISO 13855:2024 harmonisiert. In Deutschland gilt DIN EN ISO 13855:2026-08, eine berichtigte Fassung der Ausgabe 2025-10.

Was ist der Unterschied zur EN ISO 13857?

Die EN ISO 13857 regelt Abstände an feststehenden Hindernissen wie Zäunen und Gittern. Die EN ISO 13855 gilt für Schutzeinrichtungen, die eine Bewegung erst bei Annäherung stoppen, und berücksichtigt dafür Geschwindigkeit und Nachlaufzeit.

Wichtige Abgrenzung

Diese Seite erläutert Anforderungen und Zusammenhänge. Sie stellt keine technische Konformitätsbewertung eines konkreten Produkts und keine individuelle Rechtsberatung dar.