Normen

EN IEC 62061: Funktionale Sicherheit und SIL für Maschinen

Die EN IEC 62061 ist neben der EN ISO 13849-1 die zweite harmonisierte Norm für sichere Maschinensteuerungen. Sie arbeitet mit Sicherheits-Integritätsleveln von SIL 1 bis SIL 3. Harmonisiert ist die Ausgabe 2021, seit September 2026 auch mit Änderung A1:2024; die Ausgabe 2005 gilt nicht mehr.

FachinformationQuellen nachvollziehbarStand: 25.10.2026

Was die EN IEC 62061 regelt

Die EN IEC 62061 trägt den Titel „Sicherheit von Maschinen – Funktionale Sicherheit sicherheitsbezogener Steuerungssysteme“. In Deutschland erscheint sie als DIN EN IEC 62061 (VDE 0113-50). Sie gilt für sicherheitsbezogene Steuerungssysteme von Maschinen und Maschinengruppen, die mit hoher Anforderungsrate oder kontinuierlich arbeiten, und legt fest, wie für jede Sicherheitsfunktion der erforderliche Sicherheits-Integritätslevel (SIL) bestimmt, das System danach ausgelegt und validiert wird.

Sie ist wie die EN ISO 13849-1 eine Typ-B-Norm und verfolgt dasselbe Ziel; beide setzen die gesetzliche Anforderung an sichere Steuerungen um (Anhang I Nr. 1.2.1 der Maschinenrichtlinie, Anhang III Nr. 1.2.1 der Maschinenverordnung). Seit der Ausgabe 2021 erfasst die EN IEC 62061 nicht mehr nur elektrische, sondern auch andere Technologien, etwa Hydraulik und Pneumatik.

SIL 1 bis SIL 3

Die Norm kennt drei Stufen. Maß ist die mittlere Wahrscheinlichkeit eines gefährlichen Ausfalls je Stunde (PFH):

  • SIL 1: 10−6 bis unter 10−5 je Stunde
  • SIL 2: 10−7 bis unter 10−6 je Stunde
  • SIL 3: 10−8 bis unter 10−7 je Stunde

Zum Vergleich: PL d nach EN ISO 13849-1 deckt denselben Bereich ab wie SIL 2, PL e denselben wie SIL 3. SIL 4 aus der Grundnorm IEC 61508 kommt bei Maschinen nicht vor.

Wie der erforderliche SIL bestimmt wird

Die Norm bewertet vier Größen:

  • Se: Schwere der möglichen Verletzung
  • Fr: Häufigkeit und Dauer der Gefährdungsexposition
  • Pr: Wahrscheinlichkeit des Gefährdungsereignisses
  • Av: Möglichkeit, den Schaden zu vermeiden oder zu begrenzen

Fr, Pr und Av werden zu einer Klasse addiert; zusammen mit der Schwere ergibt sich daraus in einer Matrix der erforderliche SIL. Grundlage ist die Risikobeurteilung nach EN ISO 12100.

Was die Ausgabe 2021 geändert hat

  • Aufbau entlang des Gestaltungsprozesses einer Sicherheitsfunktion
  • Anwendung auch auf nichtelektrische Technologien
  • Begriffe an IEC 61508-4 angeglichen, Plan für funktionale Sicherheit und Konfigurationsmanagement
  • Anforderungen an Parametrierung, Bezug zur IT-Sicherheit und wiederkehrende Prüfungen
  • bei Teilsystemen „maximaler SIL“ statt der früheren SIL-Anspruchsgrenze (SILCL)
  • Anwendungsfälle für Software mit Unabhängigkeitsanforderungen an Verifikation und Validierung
  • neue informative Anhänge, unter anderem mit typischen MTTFd-Werten und Rechenverfahren

Für Steuerungen ab 2027 ist das wichtig, weil die Maschinenverordnung die Anforderungen an Steuerungen erweitert, etwa um die Widerstandsfähigkeit gegen vernünftigerweise vorhersehbare böswillige Versuche Dritter (Anhang III Nr. 1.2.1).

Welche Ausgabe gilt?

Zur Maschinenrichtlinie harmonisiert ist EN IEC 62061:2021 und seit dem Durchführungsbeschluss (EU) 2026/2015 vom 04.09.2026 (Amtsblatt vom 07.09.2026) zusätzlich EN IEC 62061:2021 mit Änderung A1:2024. Die alte EN 62061:2005 mit ihren Änderungen hat seit dem 11.10.2023 keine Vermutungswirkung mehr.

In Deutschland ist die konsolidierte Fassung als DIN EN IEC 62061 (VDE 0113-50):2025-12 erschienen; sie ersetzt die Ausgabe 2023-02 und enthält die Änderung A1.

In der Konformitätserklärung steht die Ausgabe, die tatsächlich angewandt wurde, mit Jahreszahl. Ob eine Norm für eine bestimmte Maschine gelistet ist und mit welchen Einschränkungen, zeigt die Normensuche.

Die Liste der harmonisierten Normen zur Maschinenrichtlinie (Durchführungsbeschluss (EU) 2023/1586) wird mit Wirkung vom 20.01.2027 aufgehoben. Ab dann gilt die Vermutungswirkung nur für Normen, deren Fundstellen zur Maschinenverordnung im Amtsblatt veröffentlicht sind (Art. 20 Abs. 1 der Verordnung (EU) 2023/1230). Die Kommission hat die europäischen Normungsorganisationen dazu beauftragt (Art. 20 Abs. 2). Bis zum Stand dieser Seite sind uns keine veröffentlichten Fundstellen zur Maschinenverordnung bekannt. Wer Maschinen ab 2027 in Verkehr bringt, sollte die Veröffentlichung verfolgen; mehr dazu unter harmonisierte Normen.

Häufige Fragen

Was ist die EN IEC 62061?

Eine Norm zur funktionalen Sicherheit sicherheitsbezogener Steuerungssysteme von Maschinen. Sie beschreibt, wie für jede Sicherheitsfunktion der erforderliche Sicherheits-Integritätslevel (SIL) bestimmt, das Steuerungssystem entsprechend ausgelegt und validiert wird. In Deutschland erscheint sie als DIN EN IEC 62061 (VDE 0113-50).

Gilt die EN 62061:2005 noch?

Nein. Die Vermutungswirkung der EN 62061:2005 samt Änderungen ist am 11.10.2023 ausgelaufen. Harmonisiert ist EN IEC 62061:2021, seit 07.09.2026 auch mit Änderung A1:2024.

SIL oder Performance Level, welche Norm soll ich nehmen?

Beide Normen sind harmonisiert und führen zur Vermutungswirkung. Die Wahl ist frei. Die EN IEC 62061 erlaubt ausdrücklich, Teilsysteme einzubinden, die nach anderen Normen der funktionalen Sicherheit gestaltet wurden, etwa nach EN ISO 13849-1. Entscheidend ist, dass eine Norm durchgängig und nachvollziehbar angewandt und in der Dokumentation genannt wird.

Welchem Performance Level entspricht SIL 2?

Über die Ausfallwahrscheinlichkeit je Stunde decken SIL 2 und PL d denselben Bereich ab (10⁻⁷ bis unter 10⁻⁶), SIL 3 und PL e ebenfalls (10⁻⁸ bis unter 10⁻⁷). SIL 1 überdeckt die Bereiche von PL b und PL c.

Wichtige Abgrenzung

Diese Seite erläutert Anforderungen und Zusammenhänge. Sie stellt keine technische Konformitätsbewertung eines konkreten Produkts und keine individuelle Rechtsberatung dar.